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| Kerne verschiedener Stangen- und Feuerbohnen |
Der Gemüsegarten im Sommer 2004 |
Eigenes Gemüse frisch aus dem Garten schmeckt schlicht besser. Das
Angebot an speziellen Gemüsen ist unendlich vielfältiger als
im Migros. Der Kreislauf von Anzucht, Entwicklung, Ernte und wiederum
Anzucht aus dem eigenen Saatgut ist faszinierend. Und "Bio" im eigenen
Gemüsegarten beruhigt nicht nur das Gewissen, sondern bedeutet,
Rüebliraupe, Kartoffelkäfer und Kohlweissling auch mal live
zu sehen - sorry, da dringt die Entomologin in mir durch! Viele gute
Gründe also, einen Gemüsegarten zu haben :-)
Meine Philosophie im Gemüsegarten
- Alte Sorten und Bezugsquellen
- Biologischer Anbau
Lage und Entwicklung
Gartenprobleme und Problemlösung
Philosophie
Der Gemüsegarten meiner Grosseltern umfasste ca. 12 lange Beete,
auf denen in Reih und Glied immer dieselben Sorten von Bohnen,
Zwiebeln, Kartoffeln etc. gediehen. Doch dieser Garten hatte an die
Ernährung der Familie beizutragen - wir haben in meiner Kindheit
über den ganzen Winter von Grosi's Bohnen gegessen. Grosse
Erträge waren daher die Hauptsache. Aus Kostengründen wurde
dennoch Saatgut teilweise selbst produziert, und auch
die Verwendung von Spritzmitteln hing stark vom Budget ab.
Mein Gemüsegarten hat nicht die Aufgabe, möglichst viel
Ertrag abzuwerfen, sondern besondere Gemüse für die Pfanne
und Abwechslung für mich zu liefern. Mein Gemüseanbau
lässt sich von zwei Philosopien leiten: die Verwendung alter
Sorten, und die Verwendung biologischer Anbaugrundsätze wie
Mischkultur und der Verzicht auf Chemie.
Alte Sorten
Viel wichtiger als hoher Ertrag ist es mir, Gemüse zu ziehen, die
ich nicht einfach im Supermarkt kaufen kann. Frischer Salat aus dem
Garten mag ja für unsere Freunde aus der Stadt ein Highlight sein,
doch für mich soll es eben ein besonderer Salat sein. Oder
besondere Kartoffeln...
Schon vor Jahren bin ich auf Pro Specie Rara
(PSR) gestossen, die sich für die Erhaltung alter einheimischer
Kultursorten sowohl bei Nutztieren als auch Nutzpflanzen einsetzt. Seit
ich nun selbst einen Garten habe, versuche ich von diesem Reichtum an
speziellen Gemüsen zu profitieren. Pro Specie Rara selbst bietet
Saatgut unter gewissen Bedingungen gratis an, wenn man dafür einen Teil der Ernte Samen
tragen lässt und diese an die PSR-Samenbank zurück gibt - das
Handbuch Samengärtnereierklärt
wie. Nachdem ich im 2005 mit der Eigenproduktion von
Saatgut geübt habe, werde ich es im 2006 mal mit (hoffentlich)
einfachen Sorten von PSR wagen - und auch den Samenbaukurs von PSR
besuchen...
Alternativ kann man manche dieser PSR-Sorten und anderer seltener
Sorten auch kaufen, z.B. direkt bei PSR-Privatanbietern, bei coop, Sativa Rheinau, teilweise bei Bioterra, der Ginsterfarm oder bei Dreschflegel
in Deutschland.
Sativa hat ein sehr breites und gutes Angebot, und trotz gelegentlichen
Fehllieferungen bin ich mit der Qualität des Saatguts sehr
zufrieden.
Die Ginsterfarm funktioniert auf privater Basis, und Service und
Qualität waren
letzte Saison ausgezeichnet - doch leider wurde der direkte
Saatgutverkauf eingestellt. Die Ginsterfarm-Webpage bietet dennoch
detaillierte Informationen und Bilder vieler Alter Sorten. Bioterra
offerierte bisher im
Frühling ein Saatkartoffel-Mischpaket, das aus ca. 20
verschiedenen alten Sorten bestand - leider ab 2006 aber nicht mehr.
Einige der PSR-Kartoffel-Sorten können jedoch direkt bei PSR
bestellt werden. Neu ausprobieren werde ich im 2006 das
Dreschflegel-Saatgut, da sie einige ungewöhnliche Blattkohl-Arten
anbieten - in einem praktischen online-Shop.
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| Roter Mangold "Feurio" im Winter |
Rüebliraupe auf rotem Fenchel |
Biologischer Anbau
Zugegeben, einer der Gründe wieso ich keine Chemie zur
Schädlingsbekämpfung und Düngung brauche, ist Faulheit -
Spritzen ist aufwändig, und statt dessen widme ich mich lieber
kreativeren Dingen. Spritzen ist aber auch gruusig. Und weil ein hoher
Ertrag nicht das Wichtigste ist, haben Rüebliraupe, Geissfuss
& Co. kaum Gift zu befürchten. Für den professionellen
Gemüseanbau taugen meine Methoden wohl nicht uneingeschränkt,
aber für mich sind sie okay.
Bestenfalls gibt's gelegentlich Schachtelhalmbrühe (getrocknet von Andermatt Biogarten AG,
denn Schachtelhalm haben wir keinen) für die Tomaten (und Rosen),
und zerkleinerte Brennnesselblätter oder reifer Kompost für
alle. Auch Jäten wird aufs Minimum beschränkt - siehe unten.
Viel verspreche ich mir davon, die Regeln der Mischkultur anzuwenden.
Das meiste Knowhow dazu habe ich mir im Internet angelesen, besonders
hilfreich war aber die Mischkulturtabelle von Bioterra.
Die Vorteile der Mischkultur auf Pflanzengesundheit und Ertrag
nachweisen kann ich in meinem Garten (leider) nicht, doch rein optisch
finde ich einen gemischten Gemüsegarten sehr viel schöner als
die Ein-Kultur-Beete meiner Grosseltern...
Der Anbauplan für meine vier Beete während der Saison 2005 findet sich hier, und hier ist der Plan fürs 2006.
Die Sortenliste 2005 inkl. qualitativer Kommentare zum Ertrag findet sich hier. Zu beachten ist, dass ich im August/September sieben Wochen in Südafrika/Namibia war - statt mich um meinen Garten zu kümmern... Fürs 2006 möchte ich die Ertragsanalyse
quantitativer machen; die Methoden dazu muss ich mir noch zurechtlegen. Die vorläufige Sortenliste 2006 findet sich hier - Änderungen kann's aber geben :-)
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Lage und Entwicklung meines Gemüsegartens
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| Vorher (im Mai 2004) |
... und nachher (im Mai 2005) |
Bei unserem Einzug teilten sich ein Brennnesselfeld und ein Haufen
alter Bretter und Äste die Fläche, auf der nach zwei Tagen
Jäten und Entrümpeln unser Gemüsegarten entstand. Der
Gemüsegarten liegt in Südwest-Lage am Westrand unseres
Grundstücks zwischen unserem kleinen Wäldchen und einer
Wiese, flankiert von einem morschen Apfel- und einem Holunderbaum.
Inzwischen umfasst der Gemüsegarten vier Beete, sowie ein
Tomatenhaus, das wir von unseren Vorgängern geerbt haben. Durch
Schattenwurf des Wäldchens ist der Garten nur ca. von 11 Uhr bis
abends besonnt, und er ist der Bise ausgesetzt. Der Boden ist hier im
Gegensatz zum restlichen Grundstück nicht aufgeschüttet; er
ist humos und stickstoffreich, da hier jahrelang Kompost und Holz
verrotteten. Die intensiv bewirtschafteten Gemüsekulturen der
Eggenwiler Bauern (v.a. Zwiebeln, Lauch, Kohl, Rüebli, Kartoffeln
und Mais) in der Reussschlaufe liegen mehrere Hundert Meter entfernt.
Eigentlich finde ich Bauerngärten sehr schön, doch ein
klassischer Bauerngarten mit Buchseinfassungen und Rosenbüschen
würde an dieser Lage nicht passen. Die bestehende Flora, mit
selbstaussäenden Nachtviolen, Nachtkerzen, Astern und Stockrosen,
passt jedoch
sehr gut zum Garten.
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Gartenprobleme und Problemlösung
Schnecken, Geissfuss und Phytophtora. Andere wirkliche Probleme gab's bisher nicht in meinem Garten - eher Freude an der artenreichen Fauna. Dennoch einige Anmerkungen...
Schnecken
Nacktschnecken waren im 2005 das grösste Problem in meinem
Gemüsegarten, besonders weil sie Salat gleich heiss lieben wie
wir. Die Bekämpfung durch Ablesen und Freiflug in die Wiese erwies
sich als nicht nachhaltig; ein Metall-Schneckenzaun ist nun sehr viel
effizienter. Er ist nur ums Salatbeet angelegt, einerseits aus
Kostengründen, andererseits haben Nützlinge so weiterhin
Zugang zu den übrigen Kulturen.
Unkräuter
Einige der typischen Stickstoffzeiger machen sich in meinem Gemüsegarten breit:
Ackerwinde (Convolvulus arvensis) und Geissfuss (Giersch, Aegopodium podagraria)
sind die Problem-Kräuter in meinem Gemüsegarten, und werden
wo möglich von Hand gejätet. Im ersten Jahr nach der Rodung
war ihr Wachstum noch recht moderat. Im 2005 jedoch drohte der
Geissfuss das südlichste Beet 4 (Kartoffeln und Saubohnen)
explosionsartig zu überwachsen. Als Test habe ich das Beet so gut
wie möglich von Wurzelstücken befreit und mit einem dieser
Metallschneckenzäune (bis zum "Anschlag" in den Boden gesteckt)
gegen das Geissfussfeld südlich abgegrenzt, um Neubewucherung zu
verhindern. Mal sehen wie's im 2006 wird. Problem ist, dass diese
Schneckenzäune so teuer sind, muss mir beim Erfolg dieser Methode
eine günstigere Alternative suchen.
Brennnessel (Urtica dioica), Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) und Rote Taubnessel (Lamium purpureum) sind vorhanden, aber erträglich. Sie kann ich durch mässiges Jäten in Schach halten.
Sauer-Ampfer (Rumex acetosa), Breit- und Spitz-Wegerich (Plantago sp.), Löwenzahn (Taraxacum officinale) und Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara)
sind zwar recht stark verbreitet. Da ich sie aber häufig als Salat
(speziell auch im Winter) brauche, jäte ich sie wenn möglich
nicht. Und, na ja, junge Geissfussblätter im Salat sind auch fein,
schmecken ein bisschen wie Wachholderbeeren.
Insekten und Pilzkrankheiten
Insekten-Schädlinge waren kein Problem bisher, im Gegenteil, ich
finde sie bei den aktuell tiefen Befallszahlen wirklich hübsch -
wohl Nachwirkungen der Tatsache, dass ich im Engadin aufgewachsen bin
(dort gibts die meisten dieser Insekten aus Mangel an Wirtspflanzen
nicht) und eine Vergangenheit als Entomologin habe. Ich betrachte
meinen Gemüsegarten einfach als Gen-Reservoir für die
umliegende Kulturlandschaft...
Als einzige Pilzkrankheit trat bisher leider Phytophtora infestans
(Kraut- und Knollenfäule) deutlich auf - sehr stark bei den
Tomaten, nur schwach bei den Kartoffeln (besonders im 2004, auf Beet 1
nahe des Tomatenhauses). Nach zwei miserablen Tomatenernten (fast
Totalausfall im 2005) werde ich in diesem Tomatenhaus keine Tomaten
mehr anbauen - wahrscheinlich ist das Erregerreservoir zu gross und
die Lage zu wenig sonnig. Erstaunlicherweise zeigte die Aubergine
"Red Egg" im selben Tomatenhaus im 2005 keinerlei Befall - dafür
war sie zu bitter zum Essen... Bei den Kartoffeln gab es nur vereinzelt
Blattschäden; nur bei zwei Pflanzen aus vergessenen,
überwinterten Knollen waren Knollen befallen. Ich werde
daher in den Beeten 3 oder 4 weiter Kartoffeln setzen.
Mischkultur-Plan 2005 (z.T. Abweichungen gegenüber schlussendlich gepflanzten Sorten)
Sortenliste und Ertrag 2005
Sortenliste 2006
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